Sonntag, 2. Februar 2014
Paralell Welt
Womit fang ich an? Mein Hirn macht Feuerwerk... War ich noch auf diesen Planeten oder in einer Paralell Welt? Aber Step by Step.... Der Weg in eine vergessene Welt beginnt mit der Faehre, wir fahren die Nacht durch, Richtung Siberut island. Bekannt fuer die Mentawei Tribe’s und als einer der Top spots auf der Welt fuer Surfer. So sind auf der Faehre mal Ausnahmsweise relativ viel Buleis (Touristen) Muskelbepackte, braungebrannte Surfertypen aus Brasilien, Australien und Europa. Nach dem allgegenwaertigen Gebet, auch auf der Faehre, machen wir uns an das abendbrot. Reis, Curry, Huhn und Soja. Da mich Trekking erwartet, haue ich mich auch gleich ins Bettchen. Ca. 40 Leute in einer Kabine, in Doppelstockbetten und ein TV der mit unmenschlicher Lautstaerke,menschenunwuerdiger Musik wiedergibt :-) Gut erholt, grins, errreichen wir nach 10h Fahrt am fruehen Morgen Siberut. Dort nehmen wir ein Mopedtaxi das uns zum Fluss bringt. Dort treffe ich michmit mein Local guide und wir machen uns mit dem Einbaum Richtung Inselinneres. Der himmel verheisst nichts gutes und keine 10 Minuten spaeter regnet es in Stroemen. Dejavue? Auch auf meiner letzten Fahrt im Amazonas zu den Tribes regnete es in Stroemen und genau wie damals bin ich nach 5 Minuten komplett durchnaesst und der Fahrtwind tut sein uebriges das ich mal wieder im Regenwald friere, wie im Winter in Deutschland. Unterwegs sehen wir des oefteren riesige Warane am Flussufer und einige Eisvoegel. Fuer Fotos regent es aber zu stark. Nach ca. 4h Fahrt erreichen wir unser Ziel. Wir starten unseren Marsch und inzwischen bin ich froh das es regnet, denn ich schwitze wie ein schwein.. Hartes Trekking ueber Die Berge runter ins Tal und den naechsten Berg rauf und wieder runter, dazu muessen wir teilweise durch kniehohen schlamm stampfen und tja was soll ich sagen, meine Kondition ist erbaermlich. Jedesmal den fuss aus den schlamm ziehen , den berg rauf quaelen und dazu blutegel und insekten aller art. Willkommen im regenwald. Ich verliere das Zeitgefuehl aber ich schaetze mal nach 4h erreichen wir unser ziel. Eine Uma(Wohnhaus der mentawei indianer) mitten im nichts aber idyllisch an einen bach gelegen. Wow sehen die tribes geil aus. Voll mit tattos und bekleidet mit einen gebunden tuch als hose. Zumindest die alte generation, dazu aber spaeter mehr. Nach einer herzlichen begruessung, will ich nur noch aus den nassen verschlammten klamotten und nehme ein bad im bach. Herrlich. Wie neugeboren. Inzwischen hat sich auch der regen verzogen und die sonne kommt raus. Ich bewundere als erstes die uma. Ca. 30 meter lang und 8 meter breit. Ueberall haengen schaedel von affen, schweinen, wild und nashornvoegel. Die uma ist in 3 bereiche eingeteilt. Der erste ist eine art terasse wo man entspannt oder handwerklichen sachen nachgeht, in der zweiten befindet sich spirituelles zeugs, wie die knochen, shamanenmedizin, waffen usw.. im letzten abschnitt ist die wasch und kochabteilung. Ich bewundere erstmal die waffen, bogen (aus palmenholz), pfeile aus bambus mit metall spitzen, sperre aus Palmenholz und die Koecher aus bambusrohren. Macheten und Werkzeuge in hundertfachen versionen, alle aus materialen die im man im wald findet (ausser das metall natuerlich) bei den mentawei gibt es gold und gold sind zigaretten, so ueberreiche ich mein gastgeschenk, in form von tabak, zigaretten und suessigkeiten. Danach wird gekocht, reis, nudeln, fisch, chilli, eier und allerlei gemuese. Man spannt mir ein moskitonetz, ich mach es mir bequem auf dem holzboden so gut es geht und schlafe ein wie tod bei einer lautstaerke die irre ist. Denn sobald der sonnenuntergang beginnt, setzt der chor des dschungel ein. Zirkaden sind die meister des typischen regenwaldsounds. Gluehwuermchen schwirren vorbei und dann ist endgueltig game over.
Mit den ersten sonnenstrahlen beginnt der tag. Die haehne kraehen mich aus dem schlaf und es gibt fuehstueck. Danach lass ich mir erstmal die kultur der mentawei erlaeutern. Jeder clan(familie) besitzt seine eigene uma. In der uma wo ich bin, leben insgesamt 12 leute. 3 generation. Der clanleader und seine frau mit ihren 2 soehnen, und die enkel und schwaegerinnen. Die frauen schalfen separat mit den kindern in einen abteil und die maenner in einen anderen abteil.es ist nicht erlaubt das frau und mann zusammen schlafen. Wo kommen die kinder her? Dafuer gibt es ein sogenannten chickenhouse- etwas versteckt abseits irgendwo im dschungel, wo sie sich zurueck ziehen um chigchigi zu machen(auf deutsch-ficken) ansonsten sieht man keine liebkosungen oder beruehrungen oder austausch von zaertlichkeiten oder desweiteren. Die frauen sind fuers kochen, waschen, holz sammeln usw verantwortlich und die maenner fuers jagen und bauen. Um so eine uma zu bauen, braucht es ca. 1 jahr. Alles was es dafuer braucht finden sie im wald. Wenn man das dach anschaut, weiss man was das fuer eine arbeit ist. Unzaehlige palmenblaetter werden zusammen gebunden(mit unzaehligen aus pflanzen hergestellen seilen), der boden besteht aus hunderten bambusbrettern, dazu steht das ganze auf stelzen und trotzt den staerksten regenfaellen. Ueber art stege, aus holz, laueft man einige meter um das haus, um nicht immer im schlamm zu waten. Ausser rehe und wildschweine gibts es hier nicht mehr viel zu jagen. Da wir auf einer insel sind ist alles begrenzt. Und wenn ich in den umas die anzahl der toten affenkoepfe sehe, ist es auch kein wunder. So gibt es ab und zu vogel oder reh. Der uma eigner geht mit mir in den wald, faellt ein baum, schneidet ein teil der rinde ab, klopft ihn weich und fertig ist meine tracht. Ein langes baumrindenband, was man sich aehnlich wie bei den sumoringer umbindet. Ansonsten erkunden wir die naehere umgebung immer auf der suche nach einer python oder anderen getier, aber fehlanzeige. Ich werde aber immer eindringlich vor einer guenen schlange gewarnt. Der beschreibung nach muesste es ich um eine baumviper handeln. Ein biss und man wandert ins nirvana. Zu weit weg fuer hilfe und zu giftig. Aber auch dieses geschoepf bleibt mir verborgen. Macht aber nichts, der hauptgrund des trips sind ja die indianer und nicht das wildlife. Nach ein paar tagen brechen wir zu einder anderen uma auf. Wieder geht es mit dem einbaum den fluss entlang und mal wieder im regen. Ich sichere mir immer ein set trockener sachen fuer den abend und schluepfe morgen in mein anderes set, was nie richtig trocken wird. Ekelhaftes gefuehl am anfang in die nassen miefenden sachen zu schluepfen aber es spielt keine grosse rolle, denn nach 10 minuten ist man eh wieder nassgeschwitzt. Nach 2h fahrt legen wir am flussufer an und die uma kann nicht weit sein, denn man hoert schon die huehner und in der nase macht sich eine gestank breit. Schweine. An der uma angekommen seh ich warum. Ca. 50 schweine sind im schlamm um und unter der uma. Nach der begrussung muss ich erst einmal doktor spielen. Ein junge hat hohes fieber und rote punkte-masern. Ich gebe ihn tabletten um das fieber zu senken mehr kann ich nicht tun. ein weiterer bewohner hat eine total vereiterte offene wunde am bein. Ich desinfiziere das ganze erstmal und mache ein neuen verband. Danach geb ich ihn noch schmerzmittel und ein weiteren verband damit er spaeter den verband wechseln kann. Ich bekomme es ja selber an meinen schnittwunden und etc mit, das bei dem klima mit der hohen luftfeuchte es ewig dauert, eh etwas verheilt. Der shamane des clans, kuki, ist der beste, so lustig wenn er versucht deutsch zu lernen. Egal was er macht, ich klebe an ihm. Wir gehen in den wald um futter fuer die schweine zu holen, wir sammeln kraeuter und material um gift fuer die pfeile herzustellen. Das gift besteht aus 2 verschiedenen baumwurzeln, chilli, ginger und ein paar blaetter. Das ganzte wird gestampft und gepresst bis zum schluss ein braun schwarzer saft uebrigbleibt. Dieser wird an die pfeilspitzen getunkt. Ich frage was passiert wenn ich was in den mund bekomme oder auf die haut-kein problem, solange keine offene wunde da ist. Es wirkt nur wenn es in den blutkreislauf geraet und dann aber richtig. Falls ich mir eine spitze in die blutbahn ramme, haette ich noch 15 minuten und game over, laut aussage der indianer das giftigste was der dschungel zu bieten hat. Ein anders mal als ich wieder mit kuki unterwegs bin kommt ein e art tausenfussler vorbei, etwas farbenfroh, ich zuecke meine kamera, doch bevor ich abdrueckn kann, ist kuki mit sein ermachete da und zerhackt ihn in windeseile. Er schreit nur „many many poison“ Mein Nachtquartier ist ein traum, Moskitonetz ueber den boden gespannt und unter mir die schweine... was ein saustall...grins
in den naechsten tagen verschlechtert sich die situation des jungen zunehmend. Total abgemagert, hohes fieber und dazu bricht er auch noch wuermer aus. Seine mutter nur noch an weinen und kuki der shamane ruft andere shamanen zusammen und sie gehen auf kraeutersuche(ich immer im schlepptau), dann wird die medizin zubereitet und die „behandlung“beginnt. Die tanzen um den jungen singen etwas, schellen mit glocken und wedelen mit blaettern richtung uma oeffnung um die boesen geister aus ihn zu vertreiben. Dann geben sie ihn den medizintrunk. Als ceromonie wird danach ein schwein geopfert. Wieder nichts fuer schwache nerven. Mit dem messer wird der hals durchdrennt und es blutet aus. Dansch wird ueber ein feuer das haar auf der haut verbrannt und das schwein wird auseinander genommen. Von den wichtigen teilen wird jeweils ein kleines stueck abgeschnitten das jeder was abbekommt. Ein stueck niere, herz, lunge, leber ausser das hirn ist nur fuer den shamanen. Der rest des tieres wird zerstueckelt und alles in ein topf mit dem blut gekippt und eine weile gekocht. Der schaedel wir aufgehoben um ihn spaeter in der uma zu den anderen schaedel zu haengen. Um den spirit positiv zu stimmen und um sich zu entschuldigen das man aus der natur was genommen hat aber weiterhin auf die gesinnung der naturgeister besonnen ist. Und man immer nur das notwendigste nimmt und die natur nicht ausbeutet. ich hoffe nur das der ganze hokuspokus den jungen hilft. man sieht er schlecht aus. voellig abwesend im halbkoma.
Nach all diesen abenteuer wuerde es an ein wunder grenzen wenn ich das gesund ueberstehe. Die hygiene ist unbeschreiblich, sozusangen gleich null. Ich meine die locals sind mit ihren immunsystem daran gewoehnt. Aber fuer uns weisse??? Hmm ich habe schon viel aufgepasst um nicht wieder so ein salmonellen tyhphus disaster wie in suedamerika durchzumachen, aber richtig beeinflussen kann man das nicht. Das geschirr wird im bach gewaschen, der gleichzeitg auch bad und toilelte in einen ist, man isst und schlaeft auf den boden wo hingespuckt wird, wo man mit seinen schlammfuessen drueber weglatscht mit denen man vorher im schweinemist war, das essen zubereietet wird usw... dazu zaehlt siberut auch noch zur malaria hochburg. Aber man muss sich entscheiden, entweder man geht das risiko ein oder nicht. Denn ein leben in hygiene und ohne gefahr ist dort unter keiner umstaenden, egal wie vorisichtig man ist, nicht moeglich. Jetzt hoeren wir aber auf den teufel an die wand zu malen, bisher hab ich alles mitgemacht und wohl oder uebel ueberstanden und so wird es auch diesmal sein. Ich wuerde es auf jeden fall wieder machen. Als abschluss noch traurige worte. Auch diese tribes wird es in ca. 5-10 jahren nicht mehr geben. Nur die alten shamanen leben noch die alte tradition, die jugend geht zur schule, hat handys und will in die stadt. Aber das kenn ich schon von anderen tribes. Es ist halt der lauf der zeit. Die zivilisation rueckt immer weiter vor und wir verlieren diese naturvoelker mit all ihren wissen. Deshalb bin ich jedes mal froh das ich sowas noch erleben durfte.
Inzwischen bin ich wieder in mein geliebten fischerdorf und erhole mich erstmal vom trekking. Bis auf rotz, von der scheiss klimanalage auf der fahre fuehle ich mich munter. Die see hat sich inzwischen veraendert, so das man als anfaenger surfen probieren kann. Achja das erinnert mich ja noch an die rueckfahrt mit der faehre, die surfertypen sahen demoliert aus. Das riff ist auf sibert teilweise nur ein halben meter tief und wenn es ein vom board haut, hat man glueck wenn man nur mit bruechen und abschuerfungen das ganze ueberlebt.
Das wetter hat ishc auch stark veraendert.seit 1 woche ist jetzt kein tropfen regen gefallen. Die regenzeit neigt sich dem ende entgegen. Tagsueber haben wir um die 34 grad und nachts sind es 24. damit kann ich leben ;-)

PS: soeben bekomm ich die nachricht, das kuki sein enkel ins krankenhaus gebracht hat. shamanen power hat nicht ausgereicht. hoffentlich kommt er fix wieder auf die beine.


 photo IMG_9894.jpg
auf der faehre

 photo IMG_9893.jpg
hier wird geschalfen-zumindest versucht



 photo IMG_9331.jpg
los geht es



 photo IMG_9681.jpg
kuki

 photo IMG_9666.jpg
sein enkel

 photo IMG_9659.jpg
die kueche

 photo IMG_9640.jpg
beim fischfang

 photo IMG_9619.jpg
fuer mein schatz

 photo IMG_9608.jpg
mein sweetheart

 photo IMG_9563.jpg
nach der jagd

 photo IMG_9554.jpg
harmlos

 photo IMG_9546.jpg
auf den weg zu den tribes

 photo IMG_9535.jpg
5* deluxe dusche

 photo IMG_9509.jpg

 photo IMG_9501.jpg
smile

 photo IMG_9495.jpg
kaska

 photo IMG_9875.jpg
kuki und seine brueder

 photo IMG_9872.jpg

 photo IMG_9867.jpg
lecker scheine sauerrei

 photo IMG_9853.jpg
die innereien sind besonderst lecker

 photo IMG_9839.jpg
hab weggeguckt (weichei) grins

 photo IMG_9776.jpg
medizin wird hergestellt



 photo IMG_9825.jpg
ceromonie um die geister zu vertreiben




 photo IMG_9482.jpg
das wohnzimmer einer uma

 photo IMG_9451.jpg
der wird gleich gegrillt-kein spass

 photo IMG_9436.jpg
uma 1

 photo IMG_9424.jpg
affenschaedel

 photo IMG_9413.jpg
medizinschrank des shamanen

 photo IMG_9410.jpg
generationen

 photo IMG_9390.jpg
vorbereitung meiner neuen shorts

 photo IMG_9730.jpg
pfeilgift

 photo IMG_9726.jpg
kuki und sein enkel



 photo IMG_9384.jpg
der baum soll es sein

 photo IMG_9353.jpg
unbeschwerrte jugend

 photo IMG_9654.jpg
tarzan?


 photo IMG_9541.jpg
kukis bruder

 photo IMG_9350.jpg
hier kann man es aushalten

 photo IMG_9344.jpg
nashornvogel, schwein, affe, reh usw..


 photo IMG_9700.jpg
kuki stellt pfeilgift her

 photo IMG_9684.jpg
the best ever